Energiepolitische Projekte und Ziele der Gemeinde Brand

Energie aus Brand. Verantwortung für morgen.

Webtext  |  Stand Juli 2026

Brand verfügt mit seinen Bächen, Quellen und Höhenunterschieden über besondere natürliche Voraussetzungen für die Nutzung erneuerbarer Energie. Die Gemeinde setzt dieses Potenzial seit vielen Jahren gezielt ein. Unser Ziel ist eine unabhängige, langfristig gesicherte und klimafreundliche Energieversorgung - verbunden mit einem möglichst sparsamen und effizienten Umgang mit Energie.

Damit folgt Brand den Grundsätzen des Räumlichen Entwicklungsplans und unterstützt die Ziele der Vorarlberger Energieautonomie. Im Strombereich ist das gesamte Gemeindegebiet bereits heute bilanziell energieautonom: Über das Jahr betrachtet erzeugen die Wasserkraft- und Photovoltaikanlagen in Brand mehr erneuerbaren Strom, als sämtliche Haushalte, Beherbergungs- und Gewerbebetriebe, kommunalen Einrichtungen und die Bergbahnen zusammen verbrauchen. Energieautonomie verstehen wir dennoch nicht als abgeschlossene Aufgabe. Wärmeversorgung, Gebäude, Mobilität, Speicherung und die möglichst zeitgleiche Nutzung des lokal erzeugten Stroms bleiben zentrale Zukunftsthemen.


Auf einen Blick

Kennzahl

Aktueller Stand

Wasserkraft

6 gemeindeeigene Wasserkraftwerke und eine Beteiligung am Kleinwasserkraftwerk Alvier

Engpassleistung

rund 2,15 MW gesamte Engpassleistung der gemeindeeigenen Wasserkraftwerke

Jahreserzeugung

rund 8 GWh erneuerbare Stromerzeugung pro Jahr

Photovoltaik

3 größere Photovoltaikanlagen mit zusammen mehr als 100 kWp

Stromautonomie

bilanzielle Stromautonomie im gesamten Gemeindegebiet - einschließlich der Bergbahnen

EEG Brandnertal

knapp 80 Teilnehmende und mehr als 200 Zählpunkte in der EEG Brandnertal


Wasserkraft: erneuerbare Energie aus unseren Bächen und Quellen

Mit der Kraftwerke Brand GmbH verfügt die Gemeinde über eine eigene Tochtergesellschaft, in der die kommunalen Kleinwasserkraftanlagen gebündelt und professionell betrieben werden. Derzeit betreibt die Gemeinde sechs Wasserkraftwerke mit einer gesamten Engpassleistung von rund 2,15 MW. Die Engpassleistung bezeichnet die höchste Leistung, die ein Kraftwerk unter den gegebenen technischen Bedingungen dauerhaft abgeben kann:

Kraftwerk

Engpassleistung

Kleinwasserkraftwerk St. Theodul II

1.150 kW

Kleinwasserkraftwerk Palüd Hochdruck

490 kW

Kleinwasserkraftwerk Palüd Niederdruck

391 kW

Trinkwasserkraftwerk Glingabrunnen Unterstufe

63 kW

Trinkwasserkraftwerk Glingabrunnen Oberstufe

28 kW

Trinkwasserkraftwerk Bauhof

30,2 kW

Zusätzlich ist die Gemeinde am Kleinwasserkraftwerk Alvier beteiligt.

Die sechs gemeindeeigenen Anlagen erzeugen zusammen rund 8 GWh Strom pro Jahr. Besonders sinnvoll ist dabei die Nutzung der Trinkwasserversorgung zur Stromerzeugung: Das ohnehin vorhandene Gefälle wird energetisch genutzt, ohne zusätzliches Wasser zu verbrauchen.


Sonnenstrom für kommunale Gebäude und Infrastruktur

Ergänzend zur Wasserkraft betreibt die Gemeinde drei größere Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 100 kWp. Der erzeugte Sonnenstrom dient vor allem der Versorgung gemeindeeigener Gebäude und Infrastruktur. Wasserkraft und Photovoltaik ergänzen einander und erhöhen die regionale Versorgungssicherheit.


Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft Brandnertal

Mit der EEG Brandnertal wurde eine der größten Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften Vorarlbergs aufgebaut. Sie verbindet die Gemeinde, die Kraftwerke Brand GmbH, die Bergbahnen Brandnertal, private Haushalte sowie touristische und gewerbliche Betriebe.

Mittlerweile beteiligen sich knapp 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit mehr als 200 Zählpunkten - mit stark steigender Tendenz. Ziel ist, erneuerbaren Strom möglichst dort zu nutzen, wo er erzeugt wird. Dadurch bleibt mehr Wertschöpfung im Tal, Einspeisende erhalten faire Konditionen und Verbraucherinnen und Verbraucher profitieren von transparenten Tarifen sowie den gesetzlichen Vergünstigungen einer regionalen Energiegemeinschaft. Bestehende Stromlieferverträge bleiben dabei grundsätzlich bestehen; die EEG ergänzt diese um den regional geteilten Strom.


So können Sie teilnehmen

1.       Zählpunktnummer auf der Stromrechnung bereithalten und den Netzbereich über den Quick-Check prüfen. Ergibt die Abfrage die Kennzahl 19241, ist eine Teilnahme grundsätzlich möglich.

2.       Stammdaten, Zählpunkte und Bankverbindung online über So-Strom Digital erfassen.

3.       Den zugesandten Vertrag unterzeichnen und an die EEG Brandnertal übermitteln.

4.       Im Kundenportal der Vorarlberger Energienetze die Freigabe der Zählerdaten erteilen.

Netzgebiet prüfen, Tarife ansehen und online anmelden

Wer Unterstützung benötigt, kann sich an die EEG Brandnertal oder an die Gemeindeämter Brand und Bürserberg wenden.


Energieeffiziente Gebäude und kommunale Infrastruktur

Energie, die nicht verbraucht wird, muss auch nicht erzeugt werden. Deshalb verbindet die Gemeinde den Ausbau erneuerbarer Energie mit konsequenter Effizienz:

·         Neue kommunale Gebäude werden nach hohen thermischen und energetischen Standards errichtet. Das Volksschul- und Kindergartengebäude Zemmako wurde mit dem klimaaktiv Gold Standard ausgezeichnet.

·         Das Gemeindezentrum wurde von Öl auf eine Pelletsheizung umgestellt.

·         Die Straßenbeleuchtung wurde auf energiesparende LED-Technik umgerüstet.

·         Weitere thermische und energetische Sanierungen der Gemeindegebäude und Infrastruktur werden schrittweise vorbereitet und nach technischer Wirkung sowie finanzieller Tragbarkeit priorisiert.

·         Der Energieverbrauch der kommunalen Gebäude und Anlagen wird laufend beobachtet, damit Einsparpotenziale früh erkannt und Investitionen gezielt gesetzt werden können.


Nachhaltige Mobilität im Tourismus- und Lebensraum

Mobilität ist für Brand als Tourismusgemeinde und Talschlussort eine besondere Herausforderung. Der Ausbau von E-Ladestellen und Schnellladeinfrastruktur wird deshalb schrittweise fortgeführt. Gleichzeitig zählt Brand bereits heute zu den Orten mit einer außergewöhnlich hohen Dichte an elektrisch betriebenen Golfcarts. Sie zeigen, welches Potenzial kompakte, leise und emissionsarme Fahrzeuge für kurze Wege und die innerörtliche Mikromobilität besitzen.

Technologie allein löst die Verkehrsfrage jedoch nicht. Die Gemeinde verfolgt daher auch die im Räumlichen Entwicklungsplan verankerten Ziele: bessere Bedingungen für Fußgängerinnen und Fußgänger, E-Bikes und den öffentlichen Verkehr sowie ein gesamthaftes, talweites Mobilitätskonzept. Davon profitieren Klima, Aufenthaltsqualität, Einheimische, Betriebe und Gäste gleichermaßen.


Technologieoffen - aber ökologisch und wirtschaftlich verantwortungsvoll

Die Gemeinde Brand ist offen für alle erneuerbaren Technologien, wenn sie ökologisch vertretbar, technisch verlässlich, wirtschaftlich tragfähig und mit den Interessen der Bevölkerung sowie des Tourismus vereinbar sind.

Auch Windkraft wurde konkret geprüft. Messungen am Gulmagrat zeigten jedoch zu wechselhafte und zu wenig konstante Windverhältnisse für einen verlässlichen und wirtschaftlichen Betrieb. Ebenso wurden Nahwärme-Insellösungen und Biogasanlagen untersucht. Bislang konnten dafür weder überzeugende Standorte noch wirtschaftlich tragfähige Projektmodelle gefunden werden. Diese Ergebnisse sind kein grundsätzliches Nein: Neue technische Entwicklungen, veränderte Rahmenbedingungen und bessere Projektansätze werden weiterhin ergebnisoffen geprüft.


Energiearbeit mit klarem Fokus für Brand

Brand war von 2016 bis Ende 2024 Mitglied im e5-Programm. In dieser Zeit wurden unter anderem das kommunale Energiemanagement, zusätzliche Trinkwasserkraft, ein Elektrofahrzeug für die Verwaltung und Mobilitätsprojekte vorangetrieben.

Die Gemeinde hat die Programmteilnahme beendet, weil die Schwerpunkte und der Auditaufwand zunehmend nur eingeschränkt zu den Möglichkeiten und Prioritäten einer kleinen Tourismusgemeinde passten. Nicht beendet wurde die Energiearbeit: Der Energieausschuss besteht weiter, die Ziele wurden in den Räumlichen Entwicklungsplan aufgenommen und die vorhandenen Mittel werden gezielt in konkrete, für Brand wirksame Projekte investiert.


Unsere nächsten Schwerpunkte

Brand wird seinen Weg konsequent fortsetzen:

·         lokale Stromerzeugung sichern und sinnvoll weiterentwickeln,

·         den Eigenverbrauch und die zeitgleiche Nutzung regional erzeugter Energie erhöhen,

·         die EEG Brandnertal für Haushalte, Tourismus und Wirtschaft weiter ausbauen,

·         kommunale Gebäude schrittweise sanieren und fossilfreie Wärmeversorgung vorantreiben,

·         Ladeinfrastruktur und emissionsarme Mikromobilität erweitern,

·         den Energieverbrauch durch kompakte Siedlungsentwicklung und nachhaltige Mobilität reduzieren,

·         neue Technologien regelmäßig auf ihre konkrete Eignung für Brand prüfen.

Unser Anspruch ist klar: Energiepolitik muss in Brand nicht nur klimafreundlich sein. Sie muss auch Versorgungssicherheit schaffen, regionale Wertschöpfung stärken, für Bevölkerung und Betriebe leistbar bleiben und zur langfristigen Qualität unseres Lebens- und Tourismusraumes beitragen.


Weiterführende Informationen: EEG Brandnertal · Räumlicher Entwicklungsplan der Gemeinde Brand · Energie- und Treibhausgasdaten des Landes Vorarlberg